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Geschichte


Die Geschichte des Dampfschiffs Mariefred

Als die DS Mariefred am 14.April 1903 auf ihre Jungfernfahrt auf der Route Stockholm-Mariefred ging, wurde der See Mälaren sowie die Stockholmer Schären von ein paar Hundert Passagierdampfschiffen auf verschiedenen Linien befahren. Das Dampfschiff Mariefred war nur ein weiteres einer Reihe gleichartiger Dampfschiffe, die die Anlegestellen und Orte des Mälaren anliefen.
Das Dampfschiff Mariefred war ebenso wie die anderen Dampfschiffe nicht nur für den Personenverkehr vorgesehen. Die Dampfschiffe waren auch Lastfahrzeuge, die Waren wie Milch, Gemüse, Obst und landwirtschaftliche Produkte von den Bauernhöfen im Mälartal zur Hauptstadt brachten.

Durch eine Zusammenführung zweier konkurrierender Reedereien wurde die Gripsholms-Mariefreds Ångfartygs AB (GMÅA) gebildet. Es ist bis heute die gleiche Reederei und mit den gleichen immer noch gültigen Aktien, datiert vom 7.Mai 1905.
Bereits in den 20er Jahren begann GMÅA ernsthaft die Konkurrenz von Autos, Bussen und Lastwagen zu spüren. Bis zum Ende der 30er Jahre schlossen immer mehr Reedereien und die ehemals so stolze Mälarflotte schrumpfte bedenklich von Jahr zu Jahr im Takt mit dem Verkauf, dem Umbau oder der Verschrottung der Schiffe.
Die Rationierung von Treibstoff und Gummi während des Zweiten Weltkrieges begrenzte die Landtransporte und die inländische Seefahrt wurde abermals bedeutsam. Die Reederei konnte zum ersten Mal seit 15 Jahren einen Überschuss im Jahresabschluss vorweisen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Ära der Dampfschiffe vorbei. Auf dem Mälaren fuhr die DS Mariefred weiterhin, aber die wirtschaftliche Lage war und ist prekär. Immer weniger Dampfschiffe betrieben Passagierverkehr auf dem Mälaren und im Sommer 1963 waren plötzlich keine anderen Dampfschiffe mehr im Verkehr. Mariefred war als Einzige übrig, der letzte Repräsentant einer ehemals so großen Flotte von Mälardampfschiffen im Waren- und Passagierverkehr.

In dieser Zeit, Anfang der 60er Jahre, erhielten die verbliebenen Dampfschiffe, neben der DS Mariefred auf dem Mälaren auch einige Dampfschiffe in den Stockholmer Schären, immer mehr Beachtung. Im Jahr 1966 übernahm der Verein Schärendampfschiffe (Föreningen Stiftelsen Skärgårdsbåten), ein neu gegründeter gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die verbliebenen Dampfschiffe zu unterstützen und zu bewahren, die Aktienmehrheit der GMÅA. Dem Verein fehlte das erforderliche Kapital, um ein Dampfschiff und dessen Verkehr zu betreiben, besaß aber umso mehr Engagement, Willen und Ambitionen. Trotzdem schaffte es das Schiff, unter seinen neuen Haupteignern weiter im Verkehr Stockholm-Mariefred zu bleiben.
Das Schiff wurde im Frühjahr 1980 durch einen Brand beschädigt, aber zwei Monate danach war die Mariefred wieder im Verkehr! Zwei Jahre später musste der Kessel des Schiffs ausgetauscht werden. Der ursprüngliche Kessel von 1903 wurde durch einen neuen ersetzt und dies verursachte neue Kosten – Ausgaben, die jedoch zum großen Teil mithilfe freiwilliger Spenden und ideeller Einsätze gedeckt werden konnten.

Das Schiff wurde in der Nacht zum 8. Mai 1994 ein weiteres Mal durch einen Brand beschädigt, verursacht durch eine Rauchgasexplosion an Bord, wodurch unter anderem der Speisesaal auf dem oberen Deck und Teile des Hauptdecks beschädigt wurden. Wiederum zeigte sich, wie bedeutsam ideeller Einsatz für den Wiederaufbau, der acht Wochen dauerte und ungefähr 1,5 Millionen Kronen kostete, sind. Das Dampfschiff Mariefred wurde in der Werft auf Beckholmen in Stockholm renoviert, wo der Verein einen Betrieb für die Renovierung von Dampfschiffen etabliert hat.
Am 2.Juli ging die Mariefred auf ihre erste Fahrt nach Mariefred im Jahr 1994 nach dem Wiederaufbau nach dem Brand, und diese Fahrt wurde in der Jubiläumsschrift zum 90-jährigen Bestehen der Reederei so beschrieben: ”Es war ein fantastisches Erlebnis zu sehen, wie zahlreich das Schiff begrüßt wurde, ebenso wie der Empfang 1903, 1980, 1983 und 1993. Aber die Frage ist, ob nicht der Empfang am 2.Juli 1994 der größte Augenblick in der 91-jährigen Geschichte des Schiffes war. Tausende Einwohner Mariefreds, die alle zum Wiederaufbau beigetragen hatten, applaudierten, als das Schiff wieder zu Hause im Heimathafen war. Nach vielen Schwierigkeiten und Sorgen war das Schiff wieder im Verkehr auf seiner Linie, wie jeden Sommer seit 1903”.